Die Geschichte der AcSV! Germania zu Ried i.I.

Rieder k.k. Staatsgymnasium um 1870

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erlebten die studentischen Vereinigungen eine Blütezeit. Obwohl bereits 1848 durch ministeriellen Erlaß verboten, strahlte burschenschaftliches Gedankengut soweit auch in die österreichischen Gymnasien hinein, daß sich die Behörden 1873 zur Erneuerung dieses Verbots veranlaßt sahen. Bereits um 1880 bestand am Rieder k.k. Staatsgymnasium eine erste pennale Burschenschaft Germania. Von ihr wissen wir heute nur noch ihre Farben schwarz-rot-gold, ihre blaue Mützenfarbe und ihr – dem heutigen Germanenzirkel ähnliches Abzeichen. Diese erste Germania hatte bereits Verbindungen zu anderen Burschenschaften an oberösterreichischen Gymnasien. Leider verschwindet sie bereits nach kurzer Zeit im Dunkel der Geschichte.

 

 

1892 - 1910

Gründungslokal "Gasthaus zur Schweiz" um 1910

Ein zweiter Anlauf pennalen Waffenstudententums am Rieder Gymnasium erfolgte 1892 mit der Heimdall. Von dieser – nach dem Wächter der germanischen Götter benannten – Verbindung kennen wir nur die grün-rot-goldenen Farben und daß sie kurz nach der Jahrhundertwende nach einem Streit mit ihren katholischen Widersachern unterging.

Zur Heimdall gesellten sich in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre weitere national gesinnte Schülerverbindungen: die kurzlebige Nibelungia (1896-98) und vermutlich noch vor 1899 die Perkeo, die noch im Jahr 1900 bestand.

Schließlich fanden sich am 12.März 1910 einige beherzte Studenten zusammen und gründeten im Gasthaus „Zur Schweiz“ die „Alldeutsch conservative Semestralverbindung Germania“. Als Wahlspruch legten sie die burschenschaftliche Losung „Ehre, Freiheit, Vaterland!“ fest. Für die Mensuren schlagende Verbindung wählten die Gründer als äußeres Zeichen eine hellgrüne Mütze und die Farben schwarz-rot-gold.

 

 

1910 - 1915

AH Max Bauböck

Da die Studentenverbindungen am Mittelschulboden noch immer untersagt waren, wählten die Gründer ihre Kneipnamen, die sie zur Bewahrung der Geheimhaltung trugen, vor allem aus den germanischen Heldensagen.

Vom Verbindungsleben der damaligen Zeit wird uns berichtet, daß es trotz der notwendigen Geheimhaltung rege war. Der Couleurbetrieb wurde in den umliegenden Gasthäusern abgehalten, wo sich die Aktiven des Schutzes durch so manchen Wirt vor der Entdeckung durch allzu neugierige Professoren sicher wähnen konnten. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges setzte dieser Blüte ein jähes Ende – 1915 rückten die letzten Aktiven als Soldaten ein und der letzte Sprecher, der nachmalige Direktor des Rieder Gymnasiums und verdiente Heimatforscher, Hofrat Max Bauböck mußte den Aktivbetrieb einstellen. Drei Mitglieder der Germania kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück.

 

 

 

1915 - 1945

Nach dem Ende des ersten großen Krieges waren in der jungen Republik studentische Verbindungen auch an Mittelschulen erlaubt. 1919 konnte daher der Aktivbetrieb in aller Öffentlichkeit aufgenommen werden, der Couleurbetrieb blühte auf und 1920 konnte das 10-jährige Bestehen feierlich begangen werden.

Diese Blütezeit währte bis zum Jahr 1933, das Österreich den faschistischen Ständestaat unter Kanzler Dollfuß bescherte, der die systematische Ausschaltung seiner politischen Gegner betrieb. Das blieb auch für die Germania nicht ohne Folgen: sie wurde mittels eines Auflösungsbescheides der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion kurzerhand verboten. Mehrere Versuche eine Wiederzulassung zu erreichen, scheiterten am Einspruch der staatsnahen „Vaterländischen Front“, einer der wichtigsten Organisationen dieser Diktatur. Allen Verboten zum Trotz lebte die Germania aber im Untergrund weiter.

1938 brachte einen erneuten politischen Umbruch – Österreich schloß sich dem Deutschen Reich an, dem austrofaschistischen Ständestaat folgte der totalitäre NS-Staat. So sehr der überwiegende Teil der Bevölkerung die von den Verträgen von St. Germain und Versailles solange verbotene Vereinigung der beiden deutschen Staaten begrüßte, so klar zeigte sich schon bald der Preis, den das Volk dafür zahlen mußte, daß die staatliche Vereinigung unter einem totalitären Regime vollzogen wurde. Die betraf auch die studentischen Korporationen, die sich im Juni 1938 nicht immer freiwillig, aber immer wehen Herzens auflösen „durften“.

Ein Jahr später begann der Zweite Weltkrieg, der auch in Germanias Reihen einen hohen Blutzoll forderte – 16 Bundesbrüder kehrten nie mehr zurück.

Die Zeit nach dem wiederum verlorenen Krieg war schwer – der Krieg hatte zu viele Opfer gefordert, menschliche wie wirtschaftliche. Erst allmählich begannen sich die in Ried verbliebenen Germanen wieder in einem wöchentlichen Stammtisch zu sammeln.

1955 - 1999

Nach der Wiedererlangung der Freiheit Österreichs 1955 sollte auch für Germania wieder ein ordentliches Vereinsleben möglich werden. Nach einigem Hin und Her mit den Vereinsbehörden konnte Germania 1959 auch offiziell wiedererstehen, es ging wieder aufwärts. 1960 wurde das 50.Stiftungsfest in großem Rahmen gefeiert, seit 1961 verbindet uns ein Kartell mit der Salzburger Gymnasialverbindung Rugia, der Ausdruck freundschaftlicher Verhältnisse zwischen Rieder und Salzburger Pennälern, wie sei seit den Zeiten der Heimdall bestehen.

In den folgenden Jahrzehnten konnte der Aktivbetrieb – von zwei Unterbrechungen abgesehen – dank des idealistischen Einsatzes vieler Bundesbrüder, die sich mit stets ungebremster Begeisterung für die Germania einsetzten, aufrecht erhalten werden.

Seit 1981 kann Germania auf ununterbrochenes, anhaltend reges Aktivenleben zurückblicken, dessen Höhepunkte sicherlich der Burschentag des Österreichischen Pennälerringes anläßlich des 75. Stiftungsfestes, die in kaum kleineren Rahmen abgehaltene Feier zum 90-jährigen Bestehen und die Schaffung unseres Germanenhauses in den 90ern waren.

2010 - Germania feiert 100. Stiftungsfest

Im Juni 2010 begingen wir bei herrlichem Frühsommerwetter das dreitägiges Stiftungsfest anlässlich unseres 100. Gründungsfestes. Beginnend mit einem Volkstanzfest in der Rieder Jahnturnhalle hießen wir Verbandsbrüder, Bekannte und Freunde in Ried herzlichen willkommen. 

Dichtes Programm wartete auf unsere Gäste sowie Germanen am nächsten Tag. Empfang bei Bürgermeister Ortig, Stadtplatzschoppen, LDC Leichtathletikwettkampf, Totenehrung, Festumzug und Festkommers sorgten für Kurzweil bei den rund 300 angereisten Gästen.

Bei immer noch hervorragendem Wetter ließen wir mit dem traditionellen Exbummel ein wunderschönes Fest am Gelände der Jahnturnhalle ausklingen.

 

Die erwähnte Jahnturnhalle war über die gesamte Dauer unseres Stiftungsfestes fixer Anlaufpunkt und bewies ein weiteres Mal ihre Vorzüge durch perfekte Infrastruktur bei gleichzeitig prachtvollen Rahmenbedingungen für unsere Veranstaltungen.

 

Festkommers zum 100. Stiftungsfest in der Rieder Jahnturnhalle

2014 - 2015 Vorsitzjahr LDC OÖ

Germania übernimmt Vorsitz des Landes Delegierten Convent Oberösterreich

 

Mit großem Tatendrang übernahmen wir Germanen im Oktober 2014 den Vorsitz des LDC Oö von der Pb! Florian Geyer zu Vöcklabruck. Die gemeinsam mit unseren Vöcklabrucker Freunden ausgerichtete Kneipe wurde als LDC-Übergabekneipe ins Leben gerufen und erfreut sich seither großer Beliebtheit. Umso mehr freut es uns, dass diese nun fixer Bestandteil des Couleurjahres des LDC OÖ ist.

Einer der großen Höhepunkte in unserem Vorsitzjahr war die im April 2015 ausgerichtete Deutschland-Rundreise. Unvergessliche Erinnerungen und bleibende Eindrücke nahmen alle Beteiligten von diesem mehrtägigen Ausflug mit nach Hause.

Zu erwähnen ist ebenfalls die Baumpflanzung im Juni 2015. Im alten Rieder Stadtpark wurde anlässlich des 200. Jubiläums der Gründung der Urburschenschaft in Jena eine stattliche Tanne gepflanzt.

 

Dieser kurze Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr, welches wir als vorsitzende Verbindung des LDC OÖ hatten, wird vielen mehr als positiv in Erinnerung bleiben. Unser Dank gilt denjenigen Bundesbrüdern, die durch ihr selbstverständliches Engagement viel Zeit und Energie in dieses Vorsitzjahr investiert haben.

 

2015 - heute

Heute steht die Rieder Mittelschulverbindung Germania auf der Basis einer mehr als hundertjährigen Tradition pennaler Waffenstudenten in Ried. Diese Geschichte mit allen Höhepunkten und Schattenseiten anzunehmen, weiterzutragen und ihr immer wieder Neues hinzuzufügen ist unser Auftrag.